Zum Projekt – FAQ

Zum Projekt Blick hinter die Kulissen: So funktioniert Superkühe.

Was macht ihr da eigentlich?

Hier beantworten wir deine Fragen zu den Superkühen. Und erklären dir die wichtigsten Begriffe von der Milchpackung.

Projekt

SUPERKÜHE ist die erste Sensor-Live-Reportage, bei der du 30 Tage lang live ins Leben von drei Milchkühen eintauchen kannst. Dafür messen Sensoren auf drei Bauernhöfen rund um die Uhr, wie es den Tieren geht: In Echtzeit fließen diese Daten auf diese Webseite und in einen Chatbot, über den du mit den SUPERKÜHEN plaudern kannst. Diese Art, mit Daten umzugehen, nennen wir “Sensorstory”.

SUPERKÜHE greift spielerisch die großen Fragen der Milcherzeugung auf und berichtet aus dem Innenleben einer Branche, die sich im Spannungsfeld zwischen Kostendruck, verunsicherten Verbrauchern und dem Wohl der Tiere bewegt. Nur wird darüber häufig reißerisch und emotional berichtet – und zwar von Befürwortern wie von Gegnern.

Dabei wissen die meisten Verbraucher heutzutage nicht einmal, dass eine Kuh kalben muss, um Milch zu bekommen. Die SUPERKÜHE wollen also aufklären, unterhalten und Wissen vermitteln, das zwischen Milchviehhof und Supermarkt verloren geht. Sie wenden sich dabei an den Konsumenten, der vor dem Milchregal über die Bedingungen auf deutschen Milchhöfen mitentscheidet.

SUPERKÜHE bezieht weder Partei für die Tierschutz- noch für die Bauernverbände. Sie stellen live und aufgrund von Daten Transparenz über die Milchviehhaltung in Deutschland her und wollen dich so unterstützen, dir deine eigene Meinung darüber zu bilden, ob du Milch kaufen willst – und wenn ja, welche.

Es hat uns viel Überzeugungsarbeit gekostet, drei Milchbauern für SUPERKÜHE zu gewinnen. Wir freuen uns deshalb sehr, dass drei Höfe 30 Tage lang ihre Stalltüren und Gatter öffnen – und Tausenden Menschen zeigen mögen, wie sie arbeiten. Wir haben uns bei der Auswahl von keiner Interessengruppe helfen lassen, sondern haben die Milchbauern selbst angesprochen. Und das Kuh-Casting selbst war zumindest auf dem Bierssenhof und bei den Höcks recht einfach: So viele Kühe, die Anfang September kalben, gab es dort nämlich gar nicht.

Wir haben sichergestellt, dass wir die Gesundheit der Tiere nicht gefährden. Wir setzen erprobte und zertifizierte Technologien ein, die schon in vielen Herden eingesetzt wurden. Und wir nutzen sie, um einer breiten Öffentlichkeit gegenüber transparent zu machen, was in der Landwirtschaft heute schon vielerorts normal ist, ohne dass es der Mehrheit der Verbraucher bewusst ist. Was der Veterinärmediziner Prof. Thomas Blaha, Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, darüber denkt, kannst du hier nachlesen.

Wir haben dazu unter anderem den Tierethiker Professor Dr. Herwig Grimm befragt, der am renommierten Messerli Forschungsinstitut in Wien die Abteilung Ethik der Mensch-Tier-Beziehung leitet. Was er dazu denkt, kannst du hier nachlesen.

Die Kühe wurden nicht von uns erworben. Sie gehören zum normalen Bestand unserer drei Höfe und bleiben nach dem Projekt in ihrer Herde, in ihrer gewohnten Umgebung. Die Daten der Boli werden den Landwirten weiter zur Verfügung gestellt und auch wissenschaftlichen Einrichtungen angeboten.

Sensoren

SUPERKÜHE zapft zunächst die Herdenmanagement-Systeme der Milchbauern an, also Sensoren, die auf den Höfen ohnehin Daten einsammeln. Damit können wir zum Beispiel messen, was und wie lange die Kühe fressen, wie viel und wie gute Milch sie geben, wie gesund ihre Euter sind. Zudem haben wir externe, für die Landwirtschaft entwickelte Sensoren gekauft, mit denen wir die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur im Stall der SUPERKÜHE messen können. Und drei Pedometer, die dir zeigen, wie viel Schritte die Kühe zurückgelegt haben. Im Magen der drei Kühe messen außerdem Boli der Firma smaXtec die Köperinnentemperatur, den Pansen-pH-Wert, das Trinkverhalten und die Bewegungsaktivität der Tiere.

Ein Bolus ist eine zylinderförmige „Pille“, die dem Tier wie ein Medikament (zum Beispiel wie ein Kalzium-Bolus) verabreicht wird.

Der Tierarzt gibt den Bolus mithilfe eines Boluseingebers über das Maul ein. Für Kühe wie für Bauern ist das eine erprobte Prozedur, da auch Medikamente so verabreicht werden.

Pansen-Sensoren beeinträchtigen und beeinflussen das Tier nach heutigem Kenntnisstand nicht. Das hat uns unter anderem ABCERT bestätigt. Hier gibt es ein Interview dazu. Die Firma prüft, ob Landwirte die Vorgaben der Europäischen Verordnung für den Ökologischen Landbau (EG-ÖKO-VO) einhalten – ob sie ihre Produkte also mit dem staatlichen Bio-Siegel versehen oder Bezeichnungen wie „Bio“, „Öko“ oder „aus kontrolliert ökologischem/biologischem Anbau“ führen dürfen.

Für eine Kuh ist so ein Bolus nämlich nicht besonders groß. Ihr Pansen hat ein Fassungsvermögen von etwa 120 Litern, demgegenüber stehen die Bolusmaße von 132 × 35 mm. Boli in dieser Größe und Form werden seit Jahren in der Tiermedizin verwendet. Die Einnahme verursacht keine Schmerzen und dauert nur wenige Sekunden, fühlt sich aber mit Sicherheit ungewohnt und unangenehm für die Kuh an. Dafür lässt sich ihre Gesundheit mit dem Bolus lange Zeit überwachen. Und zwar so genau, dass die Wahrscheinlichkeit, Krankheiten rechtzeitig zu erkennen und frühzeitig zu behandeln, höher ist.

Wäre der Bolus kleiner und leichter, würde er gar nicht im Pansen bleiben. Die Kuh würde ihn wieder ausscheiden. Damit er an derselben Stelle liegen bleibt und zuverlässig Daten sammelt, muss er also eine gewisse Größe und Dichte haben.

Der Vorteil des Bolus ist: einmal geschluckt, liefert er zuverlässig Daten, ohne dass er die Kuh beeinträchtigt. Der Bolus geht nicht verloren, er kann nicht verrutschen und das Tier behindern – und es können auch keine Verletzungen entstehen, wie es bei äußerlich anliegenden Geräten manchmal der Fall ist. Zudem lässt sich nur so einfach der pH-Wert im Pansen bestimmen. Den Nutzen von Boli erklärt dir hier auch Prof. Jürgen Hummel von der Georg-August-Universität Göttingen.

Der pH-Wert ist ein Maß dafür, wie sauer oder basisch es im Pansen ist. Er hilft dabei, Krankheiten zu erkennen. Diese betreffen meistens die ganze Herde, da sie aufgrund der Fütterung entstehen, und bleiben ohne Wissen über den pH-Wert oft sehr lange unerkannt. Eine Pansenazidose löst oft auch eine Vielzahl an weiteren Krankheiten aus.Der Überblick über die Pansengesundheit der Herde macht also die Qualität des Futters sichtbar, außerdem erkennt der Landwirt, ob er das Futter für seine Tiere richtig zusammenstellt und ob er die Tiere oft genug füttert.

Mehrere Experten haben uns unabhängig voneinander bestätigt, dass keine Langzeitschäden bekannt sind. Bei der Entwicklung des von uns verwendeten Bolus wurden vielfach Tiermediziner konsultiert. Und die verwendeten Materialien wurden im Testzentrum der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft geprüft und mit einem DLG-Siegel versehen.

Boli werden vor allem im Ernährungs- und Gesundheitsbereich verwendet – beispielsweise werden Nahrungsergänzungsmittel wie Kalzium als Gesundheitsprophylaxe bzw. zur Sicherstellung einer bedarfsgerechten Fütterung sowie Medikamente in Bolusform verabreicht. Und es gibt auch Boli zur Ortung der Tiere, vor allem bei kleinen Wiederkäuern wie Schafen und Ziegen.

Chatbot

Nein, natürlich nicht. Der Chatbot dient als Instrument, interessierte Nutzerinnen und Nutzer täglich oder im Falle von besonderen Ereignissen darüber auf dem Laufenden zu halten, wie es den drei SUPERKÜHEN geht und was gerade so passiert ist. Dazu greift der Chatbot, der auf Chatfuel basiert, die im Tagebuch ausgespielten Textbausteine auf und bereitet sie in einer dem Medium Facebook Messenger angemessenen, spielerischen Form auf. Die Nachrichten aus ihrem und über ihr Leben, die die drei Kühe per Chatbot mit den Nutzern austauschen, sollen das Interesse des Publikums wecken, sich intensiver und immer wieder mit der Berichterstattung auseinander zu setzen.

Die Kuh-Tagebücher und die Gespräche im Chatbot entstehen aus einem Zusammenspiel von objektiven Live-Daten, die wir sammeln, und journalistischer Arbeit. Mehr als ein Jahr Recherche steckt in den Textbausteinen, auf die die Sensorstory zugreift; Experten und Praktiker haben uns geschult, die Daten der Kühe richtig zu verstehen, und den Interpretationsspielraum klein zu halten.

Natürlich müssen die SUPERKÜHE Realisten sein, die ihr Leben beschreiben und nicht bewerten und schon gar nicht ihre Gefühle offenbaren und darüber reden, ob sie glücklich sind oder nicht. Was sie aber erzählen können: wie es ihnen körperlich geht, wie ihr Allgemeinzustand ist, was sie tagtäglich erleben – und auch, wie sich ihre Milchleistung voraussichtlich auf ihre Lebenserwartung auswirkt.

Gegenfrage: Warum verletzt es die Würde eines Tieres, wenn wir Wege suchen und finden, um die breite Öffentlichkeit über ihr Leben zu informieren? Wir dokumentieren im Facebook Messenger-Chatbot – wie auch auf unserer Webseite – , was unseren drei Kühe an jedem der 30 Tage widerfährt.
Dabei vermeiden wir Spekulationen über die Gefühle, die in dem jeweiligen Tier vorgehen, und werten auch die Geschehnisse nicht, sondern nutzen die von uns entwickelten Formate, um ein breites Publikum darüber zu informieren, wie Milcherzeugung heute funktioniert. Durch den Zugriff auf die Sensoren können wir dabei ein relativ genaues Bild vom gesundheitlichen Zustand des Tieres zeichnen.

 

 

Was ist eigentlich …

Auf der Verpackung stehen Kühe auf saftigen Almwiesen, weil “Bergbauernmilch” drin sein soll? Das ist keineswegs sicher, denn der Begriff ist nicht gesetzlich geregelt, ebenso wenig wie “Alpenmilch”.

Das ist die erste Milch, die von der Kuh nach der Geburt ihres Kalbes produziert wird. Sie wird auch als “Kolostrum” oder “Kolostralmilch” bezeichnet. Sie enthält wichtige Substanzen, die das Immunsystem des Neugeborenen aufbauen. Im Supermarkt ist sie eher selten zu finden. Sie wird aber zum Beispiel zu speziellem Käse verarbeitet oder als besonderes Lebensmittel gehandelt.

Damit Hersteller die Bezeichnung „Bio”, “Öko” oder “aus biologischem/ökologischem Anbau“ verwenden dürfen, muss die Erzeugung die Regelungen der EG-Öko-Verordnung erfüllen. Das wird von unabhängigen Kontrollstellen geprüft, zum Beispiel ABCERT. Lies mehr darüber im Interview mit Georg Eckert von ABCERT.

Außerdem kann eine Biomilch weitere Siegel oder Zertifikate tragen, die mitunter noch strengere Richtlinien für die Haltung der Kühe vorsehen, etwa von den Anbauverbänden “Bioland”, “Naturland” oder “Demeter”. Alle Label sammelt und erklärt die Verbraucher Initiative e.V. auf Ihrer Seite label-online.de. Was die Bio-Label jeweils für die Kuhhaltung bedeuten, hat die Welttierschutzgesellschaft e.V. in ihrem Milchratgeber zusammengetragen.

Sie bleibt übrig, wenn Milch zu Butter verarbeitet wird. Sie schmeckt leicht säuerlich, ist etwas dickflüssig und enthält weniger Fett als herkömmliche Milch, höchstens ein Prozent.

Dickmilch ist ein so genanntes Sauermilchprodukt: Bei der Produktion werden der Milch bestimmte Bakterien zugesetzt, die sie säuern und verdicken. Dickmilch enthält mindestens 3,5 Prozent Fett. Sie kann getrunken werden, wird aber auch zu Quark oder Sauermilchkäse weiterverarbeitet.

ESL steht für „Extended Shelf Life”, also etwa „Längere Haltbarkeit im Regal”. Sie muss im Kühlschrank gelagert werden, ist aber ungeöffnet etwa doppelt so lange haltbar wie traditionell hergestellte Frischmilch. Das ist vor allem für den Handel von Vorteil, da sie länger gelagert werden kann. Damit das möglich ist, wird die ESL-Milchbearbeitet.

Dafür gibt es verschiedene aufwendige Verfahren. Politik, Milchindustrie und Handel haben sich in einer Gemeinsamen Erklärung geeinigt, dass sie auf Verpackungen den Namen „Frischmilch” tragen darf, aber nur mit dem Zusatz „länger haltbar”.

Sie darf 1,5 bis 1,8 Prozent Fett enthalten. Um dies zu erreichen, wird sie in der Molkerei verarbeitet: In Zentrifugen wird die Milch zunächst in verschiedene Komponenten getrennt. Dann kann der Flüssigkeit durch Hinzufügen von Rahm, dem fetten Teil, gezielt der gewünschte Prozentsatz an Fett zurückgegeben werden.

Frischmilch – auch “frische Milch” –  gibt es in zwei Varianten, je nachdem, auf welche Weise sie behandelt worden ist. Wurde sie kurzzeiterhitzt (pasteurisiert), trägt sie den Zusatz “traditionell hergestellt”. Ist es eine ESL-Milch, trägt sie den Zusatz “länger haltbar”. Ungeöffnet hält traditionell hergestellte Frischmilch 7 bis 10 Tage, länger haltbare Frischmilch etwa doppelt so lange. Beide müssen im Kühlschrank gelagert werden. Nach dem Öffnen sollten beide Varianten innerhalb von drei Tagen verzehrt werden.

Seit März 2016 ist der Begriff als EU-Zeichen „geschützte traditionelle Spezialität” mit festgelegten Kriterien eingetragen. Die Kuh muss etwa frisches Grünfutter bekommen, also Gras, Hülsenfrüchte oder Getreide, aber kein vergorenes Futter (Silage). Noch gilt das allerdings nicht. Erst im März 2018 ist das wirklich für alle verbindlich.

Steht das auf der Milch, ist mit ihr Folgendes passiert: In der Molkerei wurde sie mit Hochdruck durch engmaschige Filter gepresst, so dass das Milchfett – der Grundstoff von Butter und Sahne – in feinste Kügelchen zerkleinert wurde. So entsteht eine gleichmäßige (homogene) Mischung aus Wasser und Fett.

Darin kann das Milchfett weniger schnell als üblich verklumpen und an der Oberfläche schwimmen, was vielfach als Makel empfunden wird. Ob dieses Verfahren aber tatsächlich auch der Gesundheit dient, wie manche versprechen, oder ihr im Gegenteil sogar schadet, ist umstritten.

Der Hinweis auf Homogenisierung ist für die Hersteller freiwillig. Wer sichergehen will, dass die Milch nicht homogenisiert wurde, sollte nach dem Hinweisen „nicht homogenisiert“, „natürliche Aufrahmung“ oder „kann natürlich aufrahmen“ suchen.

Wird der Milch ein Teil des Wassers entzogen, so entsteht Kondensmilch. Diese gibt es in verschiedenen Varianten – mal mit mehr Fett oder Zucker, mal mit weniger. Sie ist länger haltbar als frische Milch und ist vor allem in Kombination mit Kaffee beliebt.

Trägt eine Milch die Bezeichnung „laktosefrei”, wurde ihr das Enzym Laktase zugesetzt. Es zerlegt den Milchzucker Laktose in andere Zuckerformen, nimmt also gewissermaßen einen Schritt der Verdauung vorweg. Sie schmeckt süßer als herkömmliche Milch und ist für Menschen mit Laktoseintoleranz verträglicher. Häufig ist laktosefreie Milch zugleich eine H-Milch.

Magermilch, auch “entrahmte Milch” genannt, enthält nur noch sehr wenig Fett, maximal 0,5 Prozent.

In den USA arbeitet das Start-Up Muufri daran, Milch ohne Kuh herzustellen: Muh-frei eben. Die Gründer wollen eine Formel dafür gefunden haben, wie sich Milch im Labor aus pflanzlichen Stoffen “nachbauen” lässt.

Ihr Produkt ist nicht zu verwechseln mit der Vielzahl von Getränken, die etwa aus Soja, Mandeln oder Hafer hergestellt werden, und umgangssprachlich auch als Milch bezeichnet werden. Nach EU-Recht dürfen diese aber nicht unter diesem Namen verkauft werden. Eine „Sojamilch“ etwa ist auf der Verpackung daher oft als „Sojadrink“ ausgezeichnet.

 

Auf jeder Milchverpackung gibt es ein ovales Kennzeichen mit einem Code aus Ziffern und Buchstaben. Diese geben Auskunft darüber, woher das Lebensmittel stammt. Sie bestehen aus drei Teilen: 1. die Abkürzung für das Erzeugerland, etwa DE für Deutschland, 2. die Zulassungsnummer des Betriebes, die aus der Abkürzung des Bundeslandes, in dem sich der Betrieb befindet, und einer Zahlenfolge besteht, 3. die Abkürzung für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, bei deutschen Produkten EG. Hier kann man den Code entschlüsseln.

Der Preis im Laden ist natürlich wichtig. Der Begriff “Milchpreis” meint aber meist etwas anderes, nämlich wie viel Geld ein Milchbauer für ein Kilogramm Milch bekommt – wie groß also sein Anteil an einer verkauften Packung ist. Dieser Anteil schwankt, ist aber meist nur ein kleiner Bruchteil der Summe, die man im Geschäft bezahlt. Das Institut für Ernährungswirtschaft in Kiel hat hier einmal beispielhaft berechnet, wer alles Geld bekommt, wenn man im Laden für einen Liter Milch 46 Cent bezahlt – und wieviel für den Bauern übrigbleibt.

Milchpulver wird hergestellt, indem der Milch das gesamte Wasser entzogen wird. Was zurückbleibt, kann wieder aufgegossen werden zu einer so genannten “Trockenmilch”. Sieht aus wie Milch, schmeckt aber nicht unbedingt so.

Nach der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung sind Hersteller dazu verpflichtet, auf ihrer Verpackung anzugeben, bis wann mindestens das Produkt bedenkenlos genießbar ist – solange die Verpackung nicht geöffnet wurde.

Für einen solchen Hinweis gibt es verbindlich geregelte Siegel. Deren Kriterien legen etwa fest, wie lange eine Milchkuh mit Futter ohne Gentechnik versorgt worden sein muss. Auch ist dies Teil der Richtlinien für Biomilch.

Der Begriff ist nicht eindeutig. Denn Pasteurisierung bedeutet an sich nur, dass Milch erwärmt wurde und so ein Großteil der Bakterien abgetötet wurde. Meist wird damit aber eine Kurzzeiterhitzung bezeichnet: Die Milch wird einige Sekunden auf bis zu 75 Grad Celsius erwärmt und anschließend sofort wieder gekühlt. So kann die Milch – kühl gelagert – bis zu 10 Tage frisch bleiben.

Jede Milch, die die Bezeichnung Frischmilch und den Zusatz traditionell hergestellt trägt, wurde auf diese Weise pasteurisiert. Das Verfahren geht auf den französischen Naturforscher Louis Pasteur zurück, der um 1850 entdeckte, dass auf diese Weise Mikroben abgetötet werden, die Milch schnell verderben lassen. In Deutschland wurde es in den 1940er-Jahren eingeführt, um gefährliche Erkrankungen zu verhindern.

 

Viele Verpackungen werben mit einer regionalen Herkunft. Das muss aber nicht stimmen. Der Hinweis auf die Region ist nicht reglementiert und so kann es etwa sein, dass nur die Molkerei in der Nähe ist – die Kühe aber viel weiter weg leben. Sicherheit geben nur verbindlich geregelte Siegel mit Regionalbezug, in Bayern etwa das “Regionalfenster”. Wo die Milch zuletzt verarbeitet wurde, kann man am Milch-Code erkennen.

 

 

Naturbelassene Milch, unmittelbar aus dem Euter: In Deutschland wird sie nur direkt vom Hof verkauft und dort zuvor lediglich grob gefiltert und gekühlt. Je nach Rasse und Fütterung der Tiere kann ihr Fettgehalt unterschiedlich sein. Da sie nicht über 40 Grad erhitzt werden darf, gibt es keine Garantie dafür, dass sie keine Krankheitserreger enthält. Der Bauer ist daher verpflichtet, den Hinweis „vor dem Verzehr abkochen” anzubringen.

Diese Milch wurde in der Flasche für mindestens drei Minuten bei 121 Grad Celsius abgekocht. Die ungeöffnete Milch ist so bis zu einem Jahr haltbar. Dabei gehen allerdings viele, manchmal alle Vitamine verloren.

 

Ob es den Tieren wirklich gut geht und worauf bei ihrer Haltung Augenmerk gelegt wird, lässt sich an der Verpackung der Milch nicht unmittelbar erkennen. Einen Hinweis geben allerdings die Siegel auf Biomilch. Darüber hinaus gibt es Initiativen, die sich bemühen, ein Tierwohl-Label zu etablieren, zum Beispiel das Zertifikat des Deutschen Tierschutzbundes, das Tierschutz-Gütesiegel der Vereinigung „Vier Pfoten“ oder das Pilotprojekt “Q-Wohl” in Baden-Württemberg. Im Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung ist derzeit die Einführung eines staatlichen Tierwohl-Labels in Planung.

 

Neben „Pasteurisierung” und „Sterilisierung” ist die „Ultrahocherhitzung” das dritte wichtige Wärme-Verfahren, mit dem Milch in Molkereien von Keimen befreit wird. Dabei wird die Flüssigkeit einige Sekunden auf mindestens 135 Grad Celsius erhitzt. So wird sie zur H-Milch, ist also ungeöffnet bei Zimmertemperatur mehrere Monate haltbar. Auf der Verpackung steht mitunter auch einfach „UHT“.

 

Wenn Milch ihren vollen Fettgehalt hat, dann kann sie die Bezeichnung Vollmilch tragen. Das bedeutet aber nicht, dass sie direkt von der Kuh kommt: Auch Vollmilch ist immer wärmebehandelt.

Es gibt „standardisierte Vollmilch“, bei der der Fettgehalt konstant auf einem Niveau gehalten wird: Erst wird ihr das Fett entzogen, dann wieder mengengenau hinzugefügt. Neben dieser gibt es „Vollmilch mit natürlichem Fettgehalt“, sie wurde also nicht standardisiert.

 

Ist Rohmilch abgepackt im Laden erhältlich, wird sie Vorzugsmilch genannt. Von den Anbietern müssen strenge Hygienevorschriften eingehalten und strenge Auflagen erfüllt werden. So muss Vorzugsmilch spätestens 96 Stunden nach der Gewinnung verkauft sein.

 

 

Weidemilch kommt von einer Kuh, die auf der Weide grast? Könnte man meinen und oft mag das so sein. Aber es gibt keine verbindlichen Vorgaben für diesen Begriff. So kann es sein, dass die Kühe zwar mit Grünem von der Wiese gefüttert werden – aber das ganze Jahr über doch im Stall stehen. Es gibt aber Initiativen, bei denen der Begriff mit genauen Verpflichtungen verbunden ist. Als Verbraucher muss man also genau hinschauen.